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Mario Draghi

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(2014) Wir sind entschlossen, ab November 2014 unsere neuen Aufsichtsaufgaben zu übernehmen.“ So lautet ein 2013 von Mario Draghi abgegebenes Statement. Es stammt aus seinem vorab veröffentlichten Redemanuskript anlässlich der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. Mit Aufsichtsaufgaben meint er dabei die Bankenaufsicht über die etwa 130 größten europäischen Geldhäuser unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB). Mario Draghi ist Präsident der EZB und damit einer der mächtigsten Männer des europäischen Bankenwesens.

Mario Draghi ist gebürtiger Italiener. Er kam am 3. September 1947 in Rom zur Welt. Sein Vater arbeitete bei der italienischen Zentralbank als Beamter im hohen Rang und seine Mutter war Apothekerin. Mario Draghi erlebte eine problematische Kindheit, als im kurzen Zeitabstand beide Elternteile verstarben. Er war zu dieser Zeit erst fünfzehn Jahre alt und wurde dennoch für seine beiden jüngeren Geschwister verantwortlich.
Mario Draghi durchlief eine strenge und konsequente Ausbildung an der Jesuitenschule Massimiliano Massimo, die für ihre Exclusivität hinreichend bekannt war. Klassenkameraden wie Luca di Montezemolo, der spätere FIAT-Aufsichtsratschef, zeugten vom hohen Rang dieser Ausbildung. Sie sahen Mario Draghi immer als ihren ernsthaftesten und Klassenbesten an, denn er lernte äußerst strebsam. Nach der Schulzeit nahm er das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der renommierten Universität La Sapienza in Rom auf und schloss dieses im Jahr 1970 mit der Bestnote ab. Ein Stipendium gab ihm die Möglichkeit, im Jahr 1971 in Cambridge bei Boston am Massachusetts Institute of Technology (MIT) seine Eliteausbildung fortzusetzen. Unter seinen Lehrern wie den Nobelpreisträgern Franco Modigliani und Paul A. Samuelson, Rudiger Dornbusch und Stanley Fischer erreichte er im Jahr 1976 die Promotion zum Ph. D. (Doctor of Philosophy).
Bereits ab 1975 lehrte Mario Draghi Wirtschafts- und Finanzpolitik an der Universität in Trento. Von 1981 bis in das Jahr 1991 lehrte er an der Universität in Florenz. Neben seiner Lehrtätigkeit als Professor war er für die Weltbank tätig und ging 2001 zur Harvard University, zurück zu seinem früheren Studienort nach Cambridge/Massachusetts. Im Jahr 2004 übernahm Mario Draghi das Amt des Vizepräsidenten bei Goldman Sachs in London und führte es bis 2005.
Ein Jahr später, 2006 wurde Mario Draghi zum Gouverneur der italienischen Zentralbank Banca d´Italia ernannt. Er löste damit seinen Vorgänger Antonio Fazio ab und verabschiedete sich noch vor dem Amtsantritt von seinen Anteilen an Goldman Sachs. Er wollte damit Interessenskonflikte vermeiden. Bis 2011 führte er dieses Amt aus und war in dieser Funktion auch gleichzeitig Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank. Seine finanzwirtschaftlichen Kenntnisse setze er im Forum für Finanzstabilität, dem ab 2009 Financial Stability Board (FSB) genannten Gremium ein. Neben diesen Aufgaben arbeitete Mario Draghi als Aufsichtsratsmitglied des Erdölkonzerns Eni und des Staatskonzerns IRI. Außerdem saß er im Aufsichtsrat der Banca Nazionale del Lavoro.
Am 17. Mai 2011 schlug der Rat der Europäischen Union Mario Draghi als Nachfolger des bisherigen EZB-Präsidenten Claude Trichet vor. Am 24. Juni 2011 folgte die offizielle Bestimmung und seit 1. November 2011 ist Mario Draghi Präsident der EZB.
Interessenskonflikte konnte Mario Draghi seitdem nie völlig ausschließen, denn auch heute noch wird ihm seine Verbindung zu Goldman Sachs vorgeworfen. Außerdem ist er Mitglied der Group of Thirty, die sich als private Lobbyorganisation den Großbanken zuwendet.
Mario Draghi ist verheiratet und hat zwei mittlerweile erwachsene Kinder. Sohn Giacomo absolvierte das Studium der Wirtschaftswissenschaften in Italien und arbeitet beim Finanzunternehmen Morgan Stanley in London als Interest Rate Trader. Tochter Federica hat Biochemie studiert und ist im biopharmazeutischen Unternehmen Genextra Group Italia tätig. Mario Draghi ist Träger des italienischen Verdienstordens.