Kapitalfluss

Chinas Handelsriese Alibaba

e-Trado GmbH

Neue IPO-Regeln heiß diskutiert

WKN: A117ME, AHLA, US01609W1027, BABA, TWR

(2014) Alle Augen waren auf New York gerichtet, denn der mit Spannung erwartete Gang des chinesischen Online-Riesen "Alibaba" an die Börse wurde mit zahlreichen Prophezeiungen, welche sowohl positive wie auch negative Erwartungen beinhalteten begleitet und sollte sich im Nachhinein, als ein Kracher herausgestellt haben. Von einem solch spektakulären Börsengang hatten selbst erfahrene Experten nicht einmal im Entferntesten zu träumen gewagt, denn Jack Ma hatte mit "Alibaba" alles bisher da gewesene in den Schatten gestellt. Vergessen war Mark Zuckerberg mit "Facebook", denn mit Mr. Jack Ma und "Alibaba" konnte der Erfinder der Social Media Plattform natürlich nicht mehr mithalten. Nicht umsonst wird heute vom weltweit größten und spektakulärsten Börsengang aller Zeiten geredet, welcher alle insgeheim Erwartungen bei Weitem übertroffen hatte. Des einen Freud ist des anderen Leid, denn während an der New Yorker Börse die Sektkorken knallen, hatte man in Hongkong unweigerlich das Nachsehen. Klar dass es somit einen Grund gibt insbesondere in Hongkong und Shanghai berechtigte Ängste auszusprechen, welche die Angst vor dem Verlust an Attraktivität im IPO-Geschäft betrifft. Mittlerweile ist man sich selbst in Hongkong darüber im Klaren, welch lukratives Geschäft man sich mit dem spektakulären Börsengang von Alibaba hat entgehen lassen, doch es gibt dennoch gute Gründe an Asiens führendem Finanzplatz optimistisch nach vorne zu blicken.

Denn allein ein geschulter Blick auf die führenden Aktienindizes deutet darauf hin, dass von einem neuen Sechsjahreshoch ausgegangen werden darf, denn allein das Emissionsgeschäft dürfte das Niveau der vergangenen Jubeljahre 2010 sowie 2011 um ein Vielfaches übertreffen. Die geplante Verbindung zwischen der Börse in Hongkong und Shanghai, welche unter dem Pilotprojekt "Hong Kong Schanghai Stock Connect" alsbald anlaufen soll verspricht eine weitreichende Öffnung der beiden wichtigsten Handelsplätze im großchinesischen Raum. Damit dürfte die Börse in Hongkong wie auch Shanghai wieder lukrativer für Investoren oder IPOs werden. Allein der weltweit größte sowie spektakulärste Börsengang Alibabas in New York dürfte somit Anlass gewesen sein, die Hongkonger Börse zu einer weitreichenden Selbstanalyse zu zwingen. Natürlich dürfte die Hongkonger Börse das verpasste Geschäft des mit 25 Milliarden US-Dollar Kapitaleinnahmen Börsenganges schmerzen, doch es darf auch als ein Signal zum Umdenken verstanden werden. Allein die Sonderhandelszone Shanghai bietet ungeahnte Möglichkeiten, welche es IPO-Größen sowie Investoren interessant machen, dürfte auch an den Börsen von Hongkong oder Shanghai vielversprechende Investitionen zu tätigen.

Es dürfte kein Geheimnis sein, dass der Online-Gigant "Alibaba" für sein Mega-IPO den Platz Hongkong bevorzugt ins Auge gefasst hatte, doch leider wegen des für chinesische Verhältnisse eigenwillig erscheinende Corporate-Goverance-Modell unweigerlich auf Eis gestoßen war. Also blieb Jack Ma mit Alibaba nichts anderes übrig, als auf die New Yorker Börse auszuweichen, was sich letztendlich als wahre Goldgrube herausgestellt hatte. Dadurch bleibt Jack Ma und Alibaba in Unabhängigkeit ihrer tatsächlichen Kapitalbeteiligung die volle Gewinnverwendungsmacht sowie damit verbundene totale Kontrolle erhalten. Wäre der geplante Gang an die Börse hingegen in Hongkong vollzogen worden, wären der Alibaba Partnership in gewisser Weise die Hände gebunden gewesen. Denn bekanntlich sieht man das Prinzip "Ein Aktionär, eine Stimme" an der Hongkonger Börse aufgrund des strengen Finanzplatzregimes auch heute noch, wogegen in den Vereinigten Staaten von Amerika zwischen einer Zweiklassengesellschaft oder abgestuften Aktionärskreisen keinerlei Probleme gesehen werden. Somit weiß man in Hongkong heute sehr genau, welche saftigen IPO-Schnitte der Hongkonger Börse sprichwörtlich gesagt durch die Lappen gegangen sind, denn mit einer sogenannten Lex-Alibaba, was einer Ausnahmeregelung gleichgekommen wäre, hätte man hier weltweite Schlagzeilen auslösen können. Allerdings sieht das Börsenbetreiber Hong Kong Exchanges & Clearing (kurz HKEx) mit ganz anderen Augen, denn nur allzu gern hätte sich Chef Charles Li mittels einer Kompromissregelung mit dem Online-Riesen "Alibaba" eingelassen. Doch leider hatte ihm hierbei die Hongkonger Finanzaufsichtsbehörde Securities and Futures Commission (kurz SFC) einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn bei sogenannten Listing-Regularien an der HKEx hat die SFC nun einmal das letzte Wort, welche keine Veranlassung gesehen hatte, den Online-Giganten Alibaba gewisse Sonderregelungen zu gestatten.

Zwar profitierte Hongkong von dem noch aus britischen Kolonialzeiten stammenden festgeschriebenen Rechtsrahmen, welcher nach wie vor durch die SFC knallhart verteidigt wird, doch zwingt das auch in Hongkong oder der Sonderhandelszone Shanghai nicht ungesehen gebliebene Börsenspektakel Alibabas in New York zum Umdenken. Eine erzwungene Selbstanalyse der Hongkonger Börse dürfte somit allein Jack Ma und Alibaba zu verdanken sein. Auch für eventuelle Investoren aus aller Welt gilt der allen Interessenten zugängliche Finanzplatz in der Sonderhandelszone Shanghai, als äußerst lukrativ und hebt sich deutlich von dem ab, was ansonsten auf dem unreif erscheinenden chinesischen Festland abspielt. Hätte sich die Hongkonger Finanzaufsichtsbehörde Securities and Futures Commission dem Druck einer als ohnehin mächtig angesehenen IPO-Größe wie Alibaba gebeugt, wäre der damit verbundene Reputationsschaden enorm gewesen. Eine Zwickmühle, in die man somit unweigerlich geraten wäre. Damit wäre unweigerlich zu befürchten gewesen, dass die Unabhängigkeit der Hongkonger Regulatoren somit ins Schwanken geraten könnte, was einer willkürlichen Beugung gegenüber anderen mächtigen Instanzen wie der chinesischen Regierung gleichzusetzen ist. Bleibt dennoch die berechtigte Frage bestehen, ob Hongkong alle Zeichen der Zeit noch immer nicht verstanden hat.

Die Tatsachen liegen nun einmal deutlich auf der Hand, denn bekanntlich haben seit dem Jahre 2009 neun von zehn IPO-Größen aus China in den Vereinigten Staaten von Amerika stattgefunden haben. Charles Li, Chef der HKEx macht keinen Hehl daraus, seiner Enttäuschung über die verpasste Chance des spektakulären Börsengangs von Alibaba Luft zu machen und sprach sich offen für weitreichende längst überfällige Reformen des Kotierungsregimes aus. Nur derartige Neuorientierungen, welche ein komplettes Umdenken voraussetzt, werden die Sonderhandelszone Shanghai sowie Hongkong einen lukrativen Platz im hart umkämpften Finanzplatzwettbewerb garantieren. Zwar läuft das Hongkonger IPO-Business auch ohne den Online-Giganten "Alibaba" auf Hochtouren, denn schließlich liegt man hier an zweiter Stelle weltweit, was den Bereich Umsatzvolumen angeht. Weitere sprichwörtlich besagte dicke Brocken aus einem nahezu unerschöpflichen Sektorenspektrum haben sich bereits zum Schlussquartal angedeutet, welche der Börse in Hongkong weitaus mehr, als 10 Milliarden US-Dollar einbringen dürften. Mit der Ankündigung das Immobilien Konglomerat "Dalian Wanda" einen Börsengang des eigenen gewerblichen Immobiliengeschäfts "Wanda Commercial Properties" zu wagen, dürfte diesmal die Hongkonger Börse die Nase vorn haben. Auch eine nicht unerhebliche Anzahl chinesischer Staatsfirmen sollen laut Experten bereits in den Startlöchern stehen, um an der Hongkonger Börse für Schlagzeilen zu sorgen!